Klassische Werkstoffe aus dem Automobilbau bilden die erzählerische Grundlage der Motorpresse Classic Ralley Pokale 2018

Gekonnte Fortsetzung,
die neuen
Classic Rallyes
Pokale 2018

Welcher Classic Car Afficinado kennt ihn nicht – und den Kampf gegen ihn – den Rost. Rost aber als Gestaltungsmittel zu verwenden, ist schon wieder eine andere Disziplin, vor allem im Zusammenhang mit Pokalen für Classic Rallyes.

Aber gehen wir an den Anfang. – „Das Feedback auf die ungewöhnlichen Pokale der letzten Rallyes war richtig prima“, so resümierte Harald Koepke beim 2018-Pokal Workshop mit den Kreativen der Traffic Agentur für Werbung/Kommunikation&Design und den Machern der Produktionsagentur Waterhouse Tilecastle Media Productions. Der Pokal der Rallyes bis 2017 hatte als symbolisches Element einen Bentley-Kolben.

"Können wir das Thema Motor- oder Fahrzeugteile wieder aufgreifen? Und auch das Thema Transportbox als Symbolträger wäre klasse. Wir erzählen so viel mehr Geschichte über die Automobile."
Für den erfahrenen Rallye-Macher Koepke hat das serielle der Pokal-Weiterentwicklung deshalb einen eigenen Charme, denn die Pokal-Kernelemente verbinden die Trophäe direkt mit den Klassikern der Rallyes.


Die Entwicklung.

Gemeinsam mit Harald Koepke, Organisationsleiter der Classic Rallyes bei der Motorpresse, der Produktionsleiterin Gisela Berger und dem Projektentwickler/Konzeptioner Thomas Krug wurden im Workshop mit klassischem Morphologischem Kasten die neuen Pokale entwickelt. Die spannende kreative Arbeit liegt wohl allen dreien. "Das gute am Workshop ist immer wieder, dass wir nicht nur im Team Ideen entwickeln und jeder jeden "befeuert", sondern parallel auch gleich erste Machbarkeiten prüfen und diese auf kurzen Wegen abstimmen", kommentiert Krug die Vorgehensweise. "Das geht bei uns natürlich im Workshop immer zielgerichtet und schnell, da wir über mehr als 25 Jahre Erfahrung verfügen und neben der Live-Online Recherche auch noch in unserem umfangreichen "analogen" Archiv stöbern können."

"Und …", wie Harald Kopeke einwirft, "… weil alle Beteiligten jede Menge Kreativität und Benzin im Blut haben."

Das Herzstück.

Bei der Entwicklung wurden verschiedene Bauteile des Automobils auf ihre Form, ihre Verwendbarkeit und, ganz wichtig, Verfügbarkeit oder Reproduzierbarkeit geprüft. Wie profan, könnte man bemerken. "Formal konnten wir uns, nach dem wir Motoren- und Getriebeteile gesichtet hatten, auf ein Zahnrad einigen. Neben seiner Symbolhaftigkeit für Kraftübertragung und seine kompakte Geometrie sowie die sich wiederholenden Elemente  hat es eigentlich fast die Attribute eines klassischen Schmuckelements", erläutert die Projektleiterin und Bildhauerin Gisela Berger die Wahl. Die Geschichte des Automobils kennt jede Menge dieser kraftübertragenden Bauteile. Deshalb musste die Frage gestellt werden, welches Zahnrad denn in Frage kommt. Ganz historische Kettenräder wurden ausgeschlossen. Den Machern schwebte eine Synthese aus Stammbaum und unverkennbarer Automobiltechnik vor.

"Beim Research haben wir das Zahnrad des 1. Gangs der "Pagode" gefunden …" so Thomas Krug "… als Ersatzteil, noch original verpackt."
Wie das mit Originalen und in der Natur der Sache „Oldtimer“ so ist – solche Pretiosen sind eher rar und nur zu einem „sportlichen“ Preis zu erhalten.

Das Design.

"Wir mussten uns gedanklich vom bisherigen Pokal entfernen, um die Pokalelemente neu, ungewöhlich und doch wiederum im Sinne der klassischen Bestandteile zu rekombinieren", so Krug. „Können wir eine gemeinsame Verbindung finden oder schaffen? Einen Mix aus edlen und unedlen Elementen. Mit den Materialien Stahl, Holz und Edelstahl haben wir schon einen bewährten klassischen Automobil-Materialmix. Könnten wir noch eine elementarere Verbindung schaffen? Das war unsere Frage.“
Transmogrification als Gestaltungsgrundsatz.
„Dass wir letztendlich bei Rost und seinen Schmuckformen landen würden, war uns am Anfang des Projekts nicht klar. Zumal wir beim Gedanken an Rost ja eher die weniger anzustrebende Oxidform assoziieren, oder wie Gisela Berger aus Sicht der Bildhauerin kommentierte »... von der Ästhetik des Cortenstahl-Rosts ...« her kennen.“

Die Umsetzung.

Rost in seinen verschiedenen Formen als Gestaltungselement einzusetzen, das ist ein typischer ungewöhlicher Ansatz der Kreativen.

„Mit dem 1. Gang Zahnrad der Pagode haben wir für den Pokal ein echtes Kleinod entdeckt. Uns war klar, wir mussten eine interpretierte Reproduktion des Vorbildes anstreben,“ so Koepke von der Motorpresse. Interpretation, ist das Stichwort, Verwechslung ausgeschlossen. Aus diesem Grunde wurde das Replik in 90 % vom Original gefertigt und ist im Gegensatz zum Original nicht gehärtet, dafür kräftig brüniert – mit Edelrost versehen.

Rust never sleeps – um ein schnelles Rosten zu verhindern, wurden die brünierten Zahnräder vorsichtig entfettet und der Edelrost mit einer dünnen Schutzlackschicht konserviert.
Rost kontrolliert eingesetzt.
Die gebürstete Edelstahl-Plaktette, das partiell „rostige“ Gegenstück zum Schmuckelement der Trophäe, wurde per Laser bearbeitet. Die Energie des feinen Lichtstrahls verändert den Edelstahl, führt zu „Rostbildung“, erläutert Thomas Krug den gestalterischen Ansatz. Die entstandenen Rostpartikel bilden mit ihrer winzigen kristallinen Struktur die grafischen Elemente Rallye-Titel, Schmuck- und Markenelemente sowie Wertungsprüfungen ab.

Gisela Berger von WTC-Productions übernahm, wie bereits in den vergangenen Jahren, die Produktion.
Sie verantwortet die Herstellung der Einzelteile, realisiert und timt die Konfektionierung bis hin zur zeitpunktgenauen Anlieferung.
Das Zusammenspiel von Gestaltungsagentur und Produktionsagentur schätzt Harald Koepke besonders.
"Das funktioniert perfekt, wie im Getriebe. Nach der Entwicklung und dem ersten Prototypen kann ich mich mit meinem Team ganz und gar um die Events kümmern, da ich mich auf die Kreativagentur und die Produktionsagentur 100 % verlassen kann. Wir bekommen die Pokale pünktlich an den Veranstaltungsort geliefert. Die Zusammenarbeit mit Gisela Berger und Thomas Krug gibt uns Sicherheit und so können wir uns voll und ganz auf die einzelnen Rallyes und den Veranstaltungsrahmen konzentrieren", so das Resumee des erfahrene  Rallye-Projektleiters Koepke.

Wie vielschichtig eine solche Umsetzung ist, welche technischen Herausforderungsen zu meistern sind, erfährt man im Gespräch mit den Machern. Und welches Konzept, welche Merkmale, Gedanken eine Rolle spielen, welche technischen Vorgänge sich hinter einer solchen Pokalproduktion befinden, ist faszinierend.

Mit dieser Art von Pokalen wird nicht nur eine Auszeichnung geschaffen, sondern eine ganze Automobilbau-Geschichte erzählt, über Technik, Material, Verarbeitung, Veredelung, Konservatorisches und Zeit. Das Zusammenspiel all dieser Faktoren ergibt in der Summe den Charme dieser ungewöhnlich authentischen Classic Rallye Trophäen der Motorpresse.

Ich jedenfalls bin begeistert von der Umsetzung und schon gespannt, wie die Trophäen-Serie fortgesetzt wird.

H.v.K-Neyvern, Juno 2018